Pflegenden Angehörigen unter die Arme greifen

  • Infoabend im Wohn- und Pflegeheim Flirsch
    (alpl)Kürzlich lud man zu einem Info-Abend für pflegende Angehörige ins Wohn- und Pflegeheim nach Flirsch. Zentrale Themen: Welche Angebote gibt es, was sind die Probleme und Belastungen für pflegende Angehörige, wohin kann man sich wenden?
    Wie in anderen Industriestaaten der Erde, steigt auch in Österreich die Lebenserwartung weiter an. Derzeit liegt der Wert bei Frauen bei etwa 83 Jahren, bei den Männern bei ca. 77 Jahren. Dies ist im Wesentlichen einerseits auf die verbesserte Lebenssituation (Ernährung, Hygiene), andererseits auf die immer besser werdende medizinische Betreuung zurückzuführen. Diese sehr positive Entwicklung bringt aber auch Problme mit sich: U. a. nimmt die Zahl von altersbedingten Erkrankungen, z. B. Demenz, zu und natürlich steigt auch der Betreuungsbedarf. Auch wenn es immer wieder heißt, dass der Mensch im Vordergrund stehen muss, so ist doch auch eines klar: Die Betreuung kranker und/oder alter Menschen wird immer teurer.

    SCHEU. War es noch vor wenigen Jahrzehnten mehr oder weniger selbstverständlich, dass alte und/oder kranke Familienangehörige zuhause gepflegt und betreut wurden, ist dies heute keineswegs mehr selbstverständlich. Die Gründe dafür sind vielfältig. Trotzdem wird auch heute noch ein nicht unerheblicher Teil der Betreuung und Pflege zuhause bewältigt. Auffällig dabei ist, dass es vor allem Frauen sind, die hier ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten. Pflegende Angehörige laufen aber vor allem bei intensiver Pflege Gefahr, überfordert zu werden. Dies verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass pflegende Angehörige wenn nötig Hilfe bekommen können. Das Problem dabei: Jene, die Rat und Hilfe brauchen würden, wissen oft gar nicht, wohin sie sich wenden können bzw., wenn sie es wissen, scheuen sie sich davor, Kontakt aufzunehmen.

    UNTERSTÜTZEN. Aus diesem Grund lud Anni Scherl vom Verein NaMaR gemeinsam mit anderen Institutionen zu einem Infoabend ins Wohn- und Pflegeheim nach Flirsch. Dabei bot sich für pflegende Angehörige die Gelegenheit, den Verein SoViSta, den Verein NaMaR, die Hospizgruppe Landeck, die Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige in Landeck, die Demenzberatung des Sozial- und Gesundheitssprengels Landeck und natürlich auch das Angebot des Sozial- und Gesundheitssprengels Oberes Stanzertal kennen zu lernen. Der generelle Tenor: Es ist wichtig, pflegende Angehörige zu unterstützen, ihnen zu helfen, einen gewissen persönlichen Freiraum zu schaffen, sie zu beraten, ihnen auch im Zusammenhang mit Fördermöglichkeiten, Behördenwegen, Pflegebehelfen usw. zur Seite zu stehen.

    EXPERTEN. Erfahrungsgemäß habe sich gezeigt, dass pflegende Angehörige oft Scheu haben, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Oft sind sie aber in einer Situation gefangen, aus der sie aus eigener Kraft nur schwer herauskommen. Deshalb ist es auch wichtig, auf die Menschen zuzugehen. Leider haben viele noch immer Angst, stigmatisiert zu werden. So erklärt es sich auch, dass z. B. immer noch nicht alle Möglichkeiten von Zuschüssen für Pflegehilfe viel zu wenig ausgenützt werden. NaMaR, die Hospiezgruppe Landeck usw. sehen sich auch als Wegbegleiter für pflegende Angehörige und auch die zu Pflegenden. Ein zentraler Bestandteil ist auch die absolute Verschwiegenheit. Nichts von der persönlichen Situation der Betroffenen, von deren Lebensumständen usw. geht nach außen. Wichtig ist auch, dass man den Menschen immer auf gleicher Augenhöhe begegnet, sie als „Experten“ in ihrer Situation wahrnimmt und ihnen zugesteht, selbst zu wissen, was ihnen guttut.

     

    Informierten kürzlich über Angebote für pflegende Angehörige: Doris Juen (SoViSta-Ehrenamtskoordinatorin), Anni Scherl (Koordinatorin NaMaR), Erika Moser (Koordinatorin Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige), Angelika Scheiber (Koordinatorin Hospizgruppe